Donnerstag, 13. Oktober 2011

Weggestapelt

In der Apokalypse des Johannes gibt es einen Vers (Offenbarung 8,1), der mich schon immer fasziniert hat. Dramatische Worte beschreiben finale Ereignisse vor dem Thron Gottes. Blitz, Donner und atemberaubende Szenen wechseln sich ab. Völker und Nationen versammeln sich in Gottes Gegenwart. Geheimnisse werden gelüftet, Siegel gebrochen und offenbart. Dann wird das siebte Siegel gebrochen. Plötzlich ist der Himmel still, eine halbe Stunde lang. Was lässt den Himmel schweigen und worin bestand das große Geheimnis des siebten Siegels? Hereingebracht, offenbart wird etwas, auf das oft mitleidig herabgesehen wird. Es sind Gebete. Kein Gebet ist verloren gegangen. Der Tag und die Stunde kommen, so der Apostel Johannes, an dem Gott zeigen wird, dass er jedes einzelne Gebet gehört hat. Was muss das für die Leser der Offenbarung des ersten Jahrhunderts für ein Trost gewesen sein. Sie wurden verfolgt, unterdrückt, viele starben einen grausamen Tod, um ihres Glaubens willen. Wer kennt solche Fragen und Ängste in Zeiten persönlicher Not und Bedrängnis nicht? "Werden meine Gebete gehört?" Dann räumt die Zeit und das Schicksal uns und unsere Sorgen hinweg. Wirklich? Werden unsere Sorgen und Gebete einfach weggestapelt, abgestellt und vergessen? Johannes, der als Junge mit Jesus durch Galiläa zog, der von sich als "den Jünger den Jesus liebte" sprach, glaubt etwas anderes. "Kein Gebet geht verloren". Der Himmel schweigt, wenn Gott das Siegel brechen lässt. Der Himmel fällt auf die Knie. Dein und mein Gebet sind in guten Händen. Manchen von uns wurde Angst vor dem großen Tag Gottes in Ewigkeit gemacht. Wie kann das sein, wenn selbst das kleinste und ängstlichste Gebet für Gott so wertvoll ist, dass er es nicht vergisst? Beter sind Wundervollbringer. Sie bringen den Himmel zum schweigen und staunen. Erstaunlich!


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Mittwoch, 5. Oktober 2011

7 ELEVAN

Die Zahl sieben ist voller Bedeutungen im Buch der Bücher. Der Evangelist Johannes erzählt von den sieben letzten Worten Jesu am Kreuz und den sieben "Ich bin" Worten. Beim Wunder der Brotvermehrung bleiben fünf Brote und zwei Fische übrig. Außerdem berichtet er über sieben Wunder Jesu. Beim Evangelisten Matthäus finden wir sieben Gleichnisse über das Himmelreich. Das  Vaterunser besteht aus sieben Bitten. Im Buch der "sieben Siegel (Apokalypse des Johannes) können wir sieben Sendschreiben an christliche Gemeinden nachlesen, hören von sieben Posaunen, sieben Plagen und einem siebenköpfigen Tier. Die bekannteste Symbolik ist jedoch die Schöpfungsgeschichte in der uns berichtet wird, dass Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen hat und am siebten Tag ruhte und die Schöpfung ebenfalls aufforderte gleichsam schöpferisch tätig zu sein und zu ruhen. Manchmal erstaunt es mich doch sehr, wenn Menschen die offensichtlichen Symbole der Bibel wörtlich interpretieren, und dann findet man die seltsamsten und bizarrsten Erklärungen. Scheinbar ein fruchtbarer Boden für Sektierer. Die Autoren der heiligen Schrift fordern uns mit ihren Symbolen jedoch (u.A.) heraus, über ihre Bedeutung im geschichtlichen Zusammenhang nachzudenken. Für mich ist nicht vorstellbar, dass der allmächtige Gott sich nach der Schöpfung ausruhen musste. Aber ich verstehe, dass die Natur und der "nicht vollkommene Mensch" Ruhe braucht. Beide, Natur und Mensch erleiden sonst ein Burnout (Erschöpfungszustand). In den USA gibt es eine Handelskette, die sich 7 Eleven nennt. Die Ursprüngliche Geschäftsidee war es, eine Einkaufsmöglichkeit von sieben Uhr am Morgen bis elf Uhr am Abend zu ermöglichen. Daraus wurde an vielen Orten sieben Tage die Woche und 24 Stunden täglich. Was uns arbeitsamen und fleißigen Zeitgenossen so sympathisch  entgegenkommen zu sein scheint, kann zur totalen Erschöpfung und keinesfalls ins Paradies führen. Wer sich im täglichen Kampf des Lebens keine Ruhe gönnt, brennt aus. Winston Churchill, zweifelsohne ein fleißiger Mensch, nahm sich Zeit zu ruhen. Darunter verstand er nicht Faulheit, sondern konzentriertes Beschäftigen mit etwas Anderem, das mit seinem Alltag nichts zu tun hatte. Gott ruhte nicht, weil er erschöpft war, sondern um uns daran zu erinnern, dass wir Ruhe brauchen. Darum sind wir am siebten Tag nicht faul, sondern suchen aktiv die Stille mit Gott und hören auf sein Reden. Also raus aus dem Bett. Kein Morgenmuffel sein und mit Gott reden. Vielleicht entdecken wir nach einem ausgefüllten Tag der Ruhe völlig neue Dinge und finden wieder tiefen und ruhigen Schlaf. Das Paradies ist kein Ort für faule Menschen. Ich muss mir das immer wieder sagen.


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Freitag, 23. September 2011

Müll

Grüne Tonne, blaue Tonne, gelbe Säcke und graue Tonne. Keine Wunder, dass ich angeraunzt wurde. "Was machen Sie denn da?" Ich hatte meinen Müll in der falschen Tonne entsorgt. Die Zornesfalten waren deutlich zu sehen. Dabei wollte ich doch eigentlich nur meinen Müll entsorgen. Sorglos. Leider in der falschen Tonne. Das passiert mir öfters. Nicht nur mit dem Hausmüll. Den Schuh muss ich mir anziehen. Ich trenne nicht sorgfältig genug, wenn es um Hausmüll oder anderen Müll meines Lebens geht. Niemand hat es verdient, dass mein Müll in seinem Leben oder seiner "Tonne" landet. Der böse Blick, das ungeduldige Wort, die fahrige Geste, nein so geht das nicht. Mein Müll ist mein Müll. Mein Ärger gehört mir. Den hat niemand verdient. Er ist mein Problem. Bleibt die Frage: Wohin damit? Obendrein kann es sein, dass mein Müll dann auch nicht entsorgt wird. Außerhalb der Stadt Jerusalems gab es einen Platz, der den Namen Gehenna trug. Es war das Tal des Hinnom und lag an der südwestlichen Seite der Stadt. Zur Zeit Jesu war dieser Platz die Müllhalde, der Ort an dem die Bewohner ihren Unrat verbrannten. In der Bibel wird dieser Ort meist als "Hölle" übersetzt. Dort werde ich vielleicht meinen Hausmüll los, doch was ist mit dem Müll meiner Seele? Für den gibt es einen anderen Ort, ebenfalls außerhalb der Stadtmauern Jerusalems. Er heißt "Ort des Schädels" oder "Golgatha". Ach ja, dort starb der Unschuldige für die Schuldigen, Jesus. Ich erinnere mich, meine Schuld gehört dorthin. Wenn ich sie dorthin bringe, bin ich sie los, ein für allemal. Ich muss mir das merken. Müll an der falschen Stelle entsorgt, ist die Hölle.


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Donnerstag, 15. September 2011

Scheinheilig

Festgottesdienst. Die Kollekte wird eingesammelt. Der Festredner sitzt zwischen Dekan und Ortsgeistlichen. Alle suchen unter ihrem Talar nach der Geldbörse. Nur der Gastsprecher wird fündig. Die Kollekte ist für seine Arbeit bestimmt. Seine Kollegen suchen vergeblich. "Kannst Du uns was leihen?" Kein Problem für den Gastredner. Bereitwillig gibt er den Beiden die größten Geldscheine, die er in seinem Portemonaie hat. Die Augen weiten sich ob solch einer großzügigen Spende. Ich hätte mich fast weggeschmissen. Richtig, ich saß in der Mitte. So wurde aus einem Scheinheiligen ein "Heiliger"! Wie das geht? Ganz einfach, Scheine abgeben. Aber Scherz beiseite. Leider bleiben viele von uns Trinkgeldgeber. In den wichtigen Dingen unseres Lebens hat Gott doch wenig zu sagen, oder? Natürlich kann ich das nicht mit ein paar Scheinen regeln. Moses hörte in der Wüste Gottes Stimme. Gott begegnete dem Mörder nach vierzig Jahren der Flucht. Gott forderte ihn auf, seine Schuhe auszuziehen. Eine mörderische Aufforderung in einem tödlichen Umfeld von Schlangen, zumal der brennende Busch die Gefahr förmlich vervielfachte. Sich vor Gott nackt zu machen, heißt jedoch nicht schutzlos zu sein. Wann werde ich das endlich verstehen? Dass er mich in meiner Nacktheit nicht dem Spott aussetzt, sondern mich mit den Kleidern des Heils und der Heilung beschenken will? Ach ja, bevor ich es vergesse, ich war meine "Scheine" natürlich nicht los, sondern habe sie sogar doppelt zurückbekommen. Ein echtes Vermehrungswunder. So was macht Gott manchmal wenn wir ihm vertrauen.


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First Supper Blog

geschrieben von: Hans J. Zimmermann

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So kann es was werden, wenn mal einer und hoffentlich...
Helmut Warnstedt (Gast) - 30. Mär, 16:49
seeeehr...
...lange nicht gelesen :)) wenn du möchtest, dann schreib...
tobiaskassuehlke - 28. Jan, 19:37
Skin
Gut das es Dich noch gibt. Danke!
Hans J. Zimmermann (Gast) - 27. Jan, 13:26

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