Verspielt
Die weltberühmte Deutsche Kammerphilharmonie Bremen spielt Beethovens Klavierkonzert Nr.2 in B-Dur. Am Flügel Lars Vogt ein gefeierter Pianist. Gerade als der Konzertsaal und mit ihm all seine Besucher in fast schon mystischen Spähren abhoben, so berichtet ein Augen- und Ohrenzeuge, unterbricht Lars Vogel seinen Spielrausch am Klavier mit vier einfachen Worten: "Ich habe mich verspielt!" Wer das zugeben kann, wer da innehalten kann, wer da nicht einfach drüber hinwegspielt, ist ein ganz Großer. Der zeigt wirklich, dass er zu den ganz Großen gehört. Der weiß, dass es weniger um ihn geht, um gesehen und gehört zu werden. Sein Ruhm und seine Ehre bestehen darin, den Schöpfer und Komponisten durch sein Spiel hervorzuheben. Wie oft verspielen wir uns in unserem Leben? Glauben oder tun das, was sich als falsch herausgestellt hat. Rechtfertigen oder überspielen es sogar? Wir alle könnten wirkliche Größe beweisen, indem wir diesen einfachen Satz des öfteren sagen: "Ich habe mich verspielt" Wir ehren den Komponist unseres Lebens mehr durch unsere Demut, als durch unsere Täuschungen. Je klarer seine Melodie gespielt wird, je mehr er gehört und gesehen wird, umso besser ist es. Auch für uns. Ich darf unscharf werden, oder wie Johannes der Täufer es gesagt hat: Ich muss abnehmen, ER muss zunehmen. Dann ist Verspielen kein Makel, sondern Zeichen wirklicher Größe.


first-supper - 21. Jul, 09:41