Samstag, 17. März 2012

SPATZ IN DER HAND

Der Spatz ist für viele nur ein grauer und wenig spektakulärer Vogel. Wenn er singt, dann sind es eher Geräusche. Dem Rotkehlchen kann er kaum das Wasser reichen. Auch wenn der Volksmund meint, dass der Spatz in der Hand besser ist, als die Taube auf dem Dach, jedem wäre die Taube lieber. Gehen wir noch einen Gedanken weiter. Welcher Vogel wäre ich denn gerne, wenn ich es mir aussuchen dürfte? Wetten dass die meisten von uns gerne ein Adler sein würden? Ist er nicht der König der Lüfte? Wer wollte sich nicht auf Adlers Schwingen in die Lüfte erheben?

Spatzen (bzw. Sperlinge) sind nichts Besonderes. Wirklich? Jesus beurteilt ihren Wert ganz anders. Ausgerechnet vom Spatzen sagt er: "Man kauft fünf Stück für zwei Groschen, aber nicht einer ist von Gott vergessen!" Und dann fügt er an anderer Stelle hinzu: "Darum fürchtet euch nicht, ihr seid besser als viele Sperlinge."

Klar wäre ich gerne der Adler, aber ehrlich gesagt, fühle ich mich meistens grau und klein und ohne bedeutende Stimme im Lärm meines Lebens. Ein Spatz halt. Da kann ich das gerade ganz gut gebrauchen, dass mir jemand sagt: Du bist mehr wert. Du bist besser als dein derzeitiger Marktwert. Ich habe eine Auge auf dich! Oder anders gesagt: Ich verliere dich nicht aus den Augen, hab keine Angst.

Dieser kleine Sperling auf dem Foto saß in Ägypten auf einer Mauer, direkt neben einem der Weltwunder unserer Geschichte. Als jeder nur Augen für ein unbeschreibliches Weltwunder hatte, durfte ich für einen Augenblick daran erinnert werden (und jetzt erinnere ich dich daran), DU/ICH bin in den Augen Gottes wertvoller. Keiner hat es bisher bemerkt? Die Chancen, dass es hier bemerkt wird, gehen gerade auf Null zu? Hallo, einer hat es schon vor langer Zeit bemerkt. Du bist nicht der Schönste, hast nicht die tollste Stimme und bist auch kein Adler. Stimmt. Doch unser Vater im Himmel schätzt deinen Wert eben nicht danach ein. Also, verscheuch deine Angst!


Share |



Donnerstag, 8. März 2012

GEKLAUT

Martin Luther soll gesagt haben, dass man einen Löwen nicht verteidigen muss. Alles was man tun müsse, ist ihn loszulassen! Kann es sein, dass wir darum unseren Glauben so oft verteidigen müssen, weil zu viele ihn in der Kirche eingeschlossen haben? Ist unser Glaube tatsächlich nicht alltagstauglich? Ich meine, ein Glaube, der nur für Sonntags taugt, taugt wenig. 

In meiner Teenagerzeit überlegte sich der Kirchengemeinderat, es der katholischen Kirche gleichzutun und die Kirche auch in der Woche für Besucher und Beter offen zu lassen. Nach wenigen Tagen überlegte man es sich jedoch anders. Es wurde wieder abgeschlossen. Ein Besucher hat die Altarbibel geklaut.

Nach einem Gottesdienst kam ein junger Mann zu mir um mit mir über sein schlechtes Gewissen zu reden. "Meine Bibel", so erzählte er mir, "habe ich geklaut!" Jetzt las er in ihr und auf einmal fiel ihm auf, dass die Eigentumsverhältnisse wohl fraglich waren.

Wem gehört die Bibel? Gute Frage. Nächste Frage. Wem gehört der Glaube? Gute Frage...

Gehört uns das, was wir auf Gottes Altar legen noch? Haben wir unser Eigentumsrecht damit nicht abgetreten?
Wenn wir unseren Glauben auf den Sonntag beschränken und dann abschließen, weil wir ja sonst bestohlen werden könnten, würden wir Erlebnisse wie meines verpassen. Denn da hat jemand in einer gestohlenen Bibel Antworten gefunden, die sein Leben veränderten und in ihm die Sehnsucht erweckten ein besserer Mensch zu werden. Unfassbar, oder?

Keine Angst also, dass jemand uns am Montag oder Dienstag etwas von unserem Glauben stiehlt. Es könnte sein, dass er dadurch selbst zum Glaubenden wird. Und ach ja, ich kann mir ja am Sonntag Nachschub holen. Wir sollten uns vielleicht alle ein wenig lockerer machen.

Sperren wir Jesus nicht länger ein. Lassen wir ihn los, auch auf die Gefahr hin...


Share |



Samstag, 18. Februar 2012

UNBRAUCHBAR

Nie werde ich ein Gespräch vergessen, in dem mir eine ältere Dame ihr Herz unter Tränen ausschüttete. „Wozu bin ich noch gut? Was kann ich denn noch tun?“

Wer sich ein Leben lang über das definiert hat, was er tun und leisten kann, den trifft das Alter mit all seinen Behinderungen und Mühen wie eine eiskalte Dusche. „Hilf dir selbst dann hilft dir Gott“, heißt es im Volksmund. Was können die denn tun, die sich noch nicht einmal selbst mehr helfen können? Sind sie nutzlos und darum ohne Wert? Bin ich vorbereitet auf meine eigene mögliche Nutzlosigkeit? Werde ich eines Tages nur noch Last und Belastung sein?

Das Buch der Bücher, die Bibel, macht es sehr klar, der Wert eines Menschen wird nicht durch seine Leistung definiert. In vielen wunderbaren Bildern wird jeder Mensch als ein von Gott geliebtes Gegenüber dargestellt. Diese Liebe ist nicht an Bedingungen geknüpft. Alles wonach die Liebe verlangt, ist wiedergeliebt zu werden. Ich kann die Liebe Gottes erwidern, indem ich ihr antworte. Wie wir das tun können? Auch darauf erhalten wir eine Antwort. Wir dürfen beten, mit Gott reden. Jede Beziehung, erst recht jede Liebesbeziehung ist nur dann lebendig, wenn man miteinander kommuniziert. Solche Liebe hört dann auch nicht auf, wenn ich sonst „nutzlos“ werde.

So ist es mit unserer Liebe zu Gott. Wer sie im Gespräch pflegt, der weiß sich auch in seiner scheinbaren Nutzlosigkeit geliebt und getragen (bis ins hohe Alter), heißt es im Buch der Bücher. Und es ist ja nicht irgendjemand, der uns da liebt, es ist der lebendige Gott. Meine Gebete und mein Gespräch mit ihm sind nicht nur „nützlich“ für unsere Liebesbeziehung. Unser Gespräch mit ihm bewegt seinen „starken Arm“, gerade weil mein eigener keine Kraft mehr hat. Das Alter und Krankheit kann uns sehr viel nehmen, aber nicht die Zeit. Sie steht in Gottes Händen und meine Gebete bewegen Gottes Arm für solche, die vergessen haben zu beten, die keine Zeit zum Beten finden. Die Glauben, dass Gebete etwas für alte Menschen sind. Ja, sie sind ein mächtiges Instrument, das Gott spielen kann für die, für die wir beten. Uns eingeschlossen. Beter sind nicht nutzlos. Mehr denn je brauchen wir Menschen die beten!


Share |



Donnerstag, 2. Februar 2012

PROSPERITY ODER AUS DIE MAUS

Das scheinbar Unmögliche war mir gelungen. Ich hatte einen Schachmeister, meinen Lehrer, der mir in vielen Stunden das Geheimnis des Schachspielens beizubringen versucht hatte, schachmatt gesetzt. Damals war ich gerade mal zehn oder elf Jahre alt. Mein Lehrer war nicht begeistert. Er war wütend. „Du hast nicht Schach gesagt, das geht nicht!“ das war dann auch unser letztes Spiel.

Ich hatte ihn sozusagen heimlich geschlagen. Unfair? Nicht regelkonform? Sieg mit unerlaubten Mitteln? Hätte er es nicht selbst merken müssen? War er so überzeugt von sich als "Großmeister", dass er den Jungen nicht ernst genommen hatte?

Manchmal beschleicht mich der Verdacht, dass wir (ich) so mit Gott umgehe(n). Zugegeben, Schach ist ein Königsspiel und mein Gott ist sicher der Großmeister. Und unser Tun und unsere Gebete sind Züge auf dem Spielfeld des Lebens. Wir wollen siegen und meinen unseren Gott durch geschickte Züge zu gewünschten Reaktionen verleiten zu können. Mehr Gebet, mehr gute Taten bedeuten doch, dass Gott uns segnen müsste sein Segen herbeigezwungen werden könnte. Viele sind in diese neue (alte) Liga eingetreten. Sie nennt sich „Prosperity Gospel“ (Wohlstandsevangelium). Gott spielt jedoch nicht in dieser Liga mit.

Natürlich müssen wir Regeln beachten. Wir wollen ja siegen. Gott ist anders, er will es nicht. Er ist der einzige Großmeister im Spiel des Lebens, der sich meinen Sieg wünscht. Ich muss ihn also nicht durch Tricks „schachmatt“ setzen. Wenn sein Ziel mit meinem Leben „mein Sieg“ ist, darf ich gespannt auf seinen nächsten Zug warten. Also doch Erfolg? Ja, aber ganz anders, oder?


Share |



First Supper Blog

geschrieben von: Hans J. Zimmermann

Abonnieren


xml version of this page
xml version of this page (with comments)

Neue Kommentare

Nur noch Facebook?
Was bewegt euch dazu, exklusiv auf Facebook zu setzen? LG, Rolf
Rolf (Gast) - 28. Mär, 17:30
Zweifel ohne "los"
Ausnahmsweise gehen wir hier mal ganz und gar nicht...
Christine Duckhorn (Gast) - 12. Sep, 17:06
Demut - Dienmut...
>>Demut! Man könnte auch sagen, das ist der Mut...
Christine Duckhorn (Gast) - 1. Jul, 08:57
Salzburg ist wirklich...
Salzburg ist wirklich eine besondere Stadt! Das Foto...
nina (Gast) - 30. Mai, 09:13
Thumbs up...
... kann ich dazu nur sagen. Recht hast du!
Christine Duckhorn (Gast) - 11. Apr, 19:50
Evangelisch katholisch...
So kann es was werden, wenn mal einer und hoffentlich...
Helmut Warnstedt (Gast) - 30. Mär, 16:49
seeeehr...
...lange nicht gelesen :)) wenn du möchtest, dann schreib...
tobiaskassuehlke - 28. Jan, 19:37
Skin
Gut das es Dich noch gibt. Danke!
Hans J. Zimmermann (Gast) - 27. Jan, 13:26

Mein Lesestoff


Eric Metaxas
Bonhoeffer


Tom Wright
Simply Jesus



Steve Stern
Der gefrorene Rabbi

Suche

 

Web Counter-Modul


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren